Wie ergibt sich der Wert von Kryptowährungen?

By |2018-04-14T05:02:24+00:0020. März 2018|

Seit der Erfindung des Bitcoin im Jahr 2009 ist die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen kontinuierlich angestiegen. Die gesamte Marktkapitalisierung am Kryptomarkt beläuft sich zurzeit auf rund 500 Mrd. Euro (Stand: 18.01.2018). Die Nachfolgende Grafik bildet stellvertretend den Bitcoinkurs logarithmisch ab.

Bitcoinkurs in USD

 

Was aber rechtfertigt diese rasante Preisentwicklung? Liegt der Preis über dem Wert?

Kryptowährungen werden unter den Anlegern frei gehandelt, wobei der Marktpreis sich aus dem Verkaufspreis der letzten Transaktion ergibt. Glauben die Anleger mehrheitlich, dass der Wert über dem aktuellen Marktpreis liegt, so wird sich der Preis nach oben anpassen. Das Gleiche gilt natürlich auch in die andere Richtung. Damit ergibt sich der aktuelle Preis letztlich aus einem Meinungsgleichgewicht der Anleger. Warum ist aber nun diese Wertvorstellung in den letzten Jahren etwa bei Bitcoin so stark gewachsen?

Kritiker entgegnen häufig, dass der Bitcoin keinen inneren Wert und keinen Gegenwert habe, er sei durch nichts gedeckt. Dies ist vollkommen richtig, das gleiche gilt allerdings auch für alltägliche Währungen wie Dollar oder Euro.

Aufhebung des Goldstandards

In den 70er Jahren als der Goldstandard vollständig aufgehoben wurde, entstanden die sogenannten Fiatgelder. Das lateinische Wort “Fiat” bedeutet “es werde”. Somit ist die Übersetzung von Fiatgeld etwas wie “es werde Geld”. Die Fiatgelder sind somit Währungen, die praktisch aus dem nichts geboren werden. Sie sind weder implizit noch explizit durch Gold gedeckt und beinhalten keine angehefteten Verbindlichkeiten.

Zusätzlich zum Fiatgeld gibt es die Kategorie Warengeld (Geld mit Fundamentalwert wie Gold) und die Kategorie Kreditgeld (Geld, welches ein Zahlungsversprechen, zum Beispiel durch direkte Golddeckung, besitzt.)

Per Definition fallen somit nicht nur Währungen wie Euro und Dollar in die Kategorie der Fiatgelder, sondern auch der Bitcoin. Allerdings wird im modernen Sprachgebrauch die Kategorie der Kryptowährungen abgrenzend zu der Kategorie der Fiatgelder verwendet. Als Fiatwährungen werden somit alle gebräuchlichen Währungen im klassischen Sinne mit Ausnahme der Kryptowährungen bezeichnet.

innerer Wert gedeckt durch Werte
Warengeld (z.B. Gold) ja nein
Kreditgeld (z.B. Schuldscheine) nein ja
Fiatgeld (z.B. Euro/Dollar) nein nein
Kryptogeld (z.B. Bitcoin) nein nein

 

Deckung von Währungen

Es bleibt also festzuhalten, dass Kryptowährungen genau wie auch Euro oder Dollar nicht gedeckt sind, keinen inneren Wert besitzen und somit rein auf Vertrauen basieren. Der wesentliche Unterschied ist jedoch, dass das Vertrauen im Fall von Fiatwährungen zentralen Instanzen (Banken und Staaten) geschenkt wird. Dieses Vertrauen ist bei stark inflationären Währungen in Staaten wie Venezuela nicht vorhanden und selbst in Europa nach der Griechenlandkrise und verschiedenen staatlichen Bankrettungen, wie etwa in Italien, zumindest stark angekratzt.

Im Fall von Kryptowährungen hingegen verteilt sich das Vertrauen auf das gesamte Netzwerk und die Angriffssicherheit der Kryptographie hinter der Währung. Damit ist nachzuvollziehen, dass mit der verstrichenen Zeit, die ein Verschlüsselungsalgorithmus unbeschadet besteht, nicht nur das Vertrauen in den Algorithmus, sondern auch das Vertrauen in die dahinter stehende Währung stetig steigt. Mit diesem Vertrauensgewinn ist dann wiederum eine Steigerung des Wertes und damit des Preises verbunden, auf den sich Angebot und Nachfrage einpendeln.

Woher kommt das Vertrauen in eine dezentrale Währung?

Neben dem Vertrauen in die Technik ist auch die Größe des Netzwerks und die Anzahl der Verwendungsmöglichkeiten für die Wertbestimmung ausschlaggebend. Beides hat bei Bitcoin über die letzten Jahre hinweg stetig zugenommen. Mehr und mehr Händler weltweit akzeptieren Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Gleichzeitig nimmt das Gewicht der Sekundär-Industrie zu, welche unmittelbar mit Kryptowährungen zusammenhängt. Hierzu zählen neben den Krypto-Börsen, zahlreiche andere FinTech-Unternehmen, beispielsweise solche, welche Zahlungen mit Kryptowährungen vereinfachen, diejenigen, die Hard- und Software bereitstellen und jene, welche klassische Beratungsleistungen durchführen.

Es wird deutlich, dass herkömmliche Bewertungsmodelle, wie das Substanz- oder Ertragswertverfahren bei einem dezentralen Ökosystem wie Bitcoin nicht angewendet werden können. Dass sich die Beurteilungsgrößen zur Wertermittlung geändert haben, hat die Vergangenheit bereits gezeigt, als Facebook im Jahr 2014 für umgerechnet rund 14 Mrd. Euro den Messenger-Dienst WhatsApp gekauft hat. Zum damaligen Zeitpunkt entsprach dies nahezu dem doppelten Unternehmenswert der Lufthansa. Ähnlich verhält es sich auch mit den Bewertungen anderer rein digital agierender Unternehmen, die keinen realen Gegenwert besitzen: AirBnB (Übernachtungsvermittlung ohne eigene Gebäude), Uber (keine eigenen Fahrzeuge) oder auch Flixbus, das nur einen einzigen Bus aus juristischen Gründen selbst besitzt.

Der letzte und wohl auch gefährlichste Faktor, welcher sich auf den Preis auswirkt, ist die Erwartungshaltung der Anleger auf die zukünftige Preisentwicklung. Das wachsende Ökosystem des Bitcoins rechtfertigt einen stetigen Wertzuwachs. Gleichzeitig wird der Preis aber auch durch die Erwartungshaltung der Anleger überproportional angeheizt, was zu einem sich selbstverstärkenden Preisanstieg führt, der in regelmäßigen Abständen durch Kurseinbrüche korrigiert wird (vgl. Diagramm oben). Ob eine Blase durch sich wiederholende Korrekturen wie in der Vergangenheit stabil gehalten werden kann oder durch eine riesige Korrektur in der Zukunft platzt, bleibt abzuwarten.

Festzuhalten bleibt jedoch doch, dass auch nach einem Crash die Technologie der Blockchain als Innovation Bestand haben wird und die Unternehmungen, welche mit Substanz an dieser Technologie arbeiten überleben werden. Andere wiederum, und wahrscheinlich auch eine Vielzahl, werden größere Korrekturen nicht überstehen und von der Bildfläche verschwinden. Nichts anderes hat man um die Jahrtausendwende bei der Entstehung des Internets beobachten können: Natürlich hat sich das Internet durchgesetzt, aber wer konnte absehen, dass AltaVista einmal von Google und Myspace einmal von Facebook überholt werden würde.

Sind also nun die gefühlt hohen Preise, wie wir sie bei vielen Kryptowährungen sehen, gerechtfertigt?

Einerseits ist davon auszugehen, dass der Anteil der Kryptowährungen mehr und mehr an Gewicht gewinnen wird. Das aktuelle Verhältnis der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen und der sogenannten “eng gefassten Geldmenge M1” (Bargeld und Sichteinlagen der Nichtbanken) liegt derzeit bei ca. 1% (Stand: 19.01.18). Optimistische Stimmen gehen langfristig von einem ähnlichen Verhältnis von Krypto- und Fiatwährungen aus. Eine solche 50/50 Verteilung würde übertragen auf den Bitcoin einen mittleren sechsstelligen Preis bedeuten. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass durch verlorengegangene Schlüssel, etwa nur noch die Hälfte aller Bitcoins zugänglich ist. Bezieht man diesen Faktor mit ein, sind sogar siebenstellige Bitcoinkurse denkbar.

Gleichzeitig muss man im Auge behalten, dass die Möglichkeit besteht, dass analog zu MySpace, welches von Facebook abgehängt wurde, auch der Bitcoin sich als stärkste Währung nicht durchsetzen könnte. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass ein Großteil der Coins, welche aktuell gelistet sind, irgendwann einmal wertlos sein werden. Gleichzeitig werden sich einige durchsetzen und zum Teil extrem an Wert gewinnen. Welche Coins das sein werden, kann niemand mit Sicherheit sagen. Die Überlebenschancen stehen jedoch für größere, etablierte Coins, welche sich bereits bewiesen haben, in der Regel höher.